Oktober 28, 2009

Der Schmidt Faktor

Nicht jede Nachricht, welche in diesen Tagen aus Berlin kommt, muss zwangsläufig zu ein Gefühl der Resignation auslösen. Es gibt auch Fakten, welche ein lautes, enthemmtes Frohlocken provozieren. Etwa jene, dass die unsägliche Gesundheitsministerin Ulla Schmidt endlich der Vergangenheit angehört. Möge sie Ihren politischen Ruhestand in Frieden und von mir aus auch in Wohlstand genießen. Hauptsache sie bleibt im Ruhestand!

Man kann Frau Schmidt zugutehalten, dass Sie alles versucht hat,  das Gesundheitswesen nach Ihren Vorstellungen zu gestalten. Muss man aber nicht. Sie hinterlässt ihrem Nachfolger nämlich ein System, welches nicht nur extrem bürokratisch, intransparent und teuer ist. Nein, das Schlimmste was man dieser Frau vorwerfen muss ist, dass es unsozial ist. Auf jeden Fall unsozialer wie zum Zeitpunkt, als sie das Ministerium übernommen hat. Natürlich sieht sie das ganz anders, aber genau damit ist das Problem Ulla Schmid bestens und vor allem abschließend beschrieben.

Rückblickend müssen wir wahrscheinlich froh darüber sein, dass Frau Schmidt nur Gesundheitsministerin war. In anderer Funktion wäre Sie unter Umständen in der Lage gewesen eine hohe Mauer um Deutschland zu bauen, um ihren lebensfernen Ideen abschließend zum Erfolg zu verhelfen …

Genug gefeiert.

Die neue Bundesregierung steht bei der Bewältigung der Herausforderungen im Gesundheitswesen auf jeden Fall vor einer Herkulesaufgabe. Wenn ich die Zeichen, welche der Koalitionsvertrag aussendet, richtig deute, so wird sie sich dieser Aufgabe mit einer für Frau Merkel typischen Entschlossenheit stellen und die Lösung des Problems mit einem entschiedenen Sowohl-als-auch in eine unbestimmte Zukunft verlagern. So ist Frau Merkel und dafür lieben sie die Deutschen.

Aus meiner Sicht ist das auch gar nicht so schlimm. Die wichtigsten Antworten auf die Frage, wie es mit dem Deutschen Gesundheitswesen weiter gehen soll, müssen aus der Bevölkerung kommen.

So ist zum Beispiel die Frage zu klären, wie viel Gesundheit wir zukünftig konsumieren wollen. Tatsache ist nämlich, dass ein großer Teil der Kostensteigerungen nicht auf teuerungsbedingte Mehrausgaben zurückgehen, sondern auf eine immer grenzwertigere Optimierung des individuellen Gesundheitszustandes.

Oder die Frage der Solidarität. Wer steht für wen, wann und in welcher Form ein. Zugegeben kein Thema, welches sich alleine auf den Gesundheitsbereich beschränkt ließe, wohl aber eines, das dringend ein gesamtgesellschaftliches Updates nötig hat.

Erst wenn diese Antworten vorliegen, sollte man sich mit organisatorischen Fragen beschäftigen. Dabei wäre es aus meiner Sicht schön, diese Diskussion nicht auf der Basis bestehender Strukturen zu führen, sondern fundamental zu überdenken. Daraus ergäbe sich am Ende vielleicht die Chance eine Lösung zu finden, welche ein jeder versteht und welche administrativ zu bewältigen ist. Keep it simple and stupid!

Gut Ding will Weile haben – es sollte ja auch für eine längere Zeit Bestand haben. Aus diesem Grunde könnte ich noch jahrelang mit diesem unsäglichen Gesundheitsfonds leben, wenn wir diese Zeit nutzen, würden das Gesamtkonzept des Gesundheitswesens einer echten, einer richtigen Reform zu unterziehen.

Wenn das Ganze jedoch wieder darin mündet, dass man hier und dort etwas ändert, um es im Jahr darauf dort und hier zu korrigieren, sehe ich für die Zukunft dieses Systems trotz des Wegfalls des Schmidt-Faktors schwarz.

Mein Optimismus, dass es dieses Mal besser laufen wird, ist aber ehrlich gesagt nur sehr eingeschränkt vorhanden.

In meiner nächsten Kolumne werde ich Ihnen zeigen, dass Deflation und Inflation sehr wohl nebeneinander auftreten können. Es bleibt also spannend!

Ihr
Sidney Batt

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Oktober 10, 2009

Lese ­die Zeichen

Es war alles andere als ein Aprilscherz, als ich an dieser Stelle am 1. April geschrieben habe, dass die Abwrackprämie unter dem Strich ein schlechtes Geschäft sei. Diese Woche erreicht uns über die Medien die Nachricht, dass es inzwischen auf Neuwagen Rabatte von bis zu 46% geben soll. Zweiundvierzig Prozent, das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen, sind 4600.- EUR pro 10′000.- EUR Katalogpreis. Dagegen sehen 2500.- EUR Abwrackprämie doch ziemlich lausig aus, finden Sie nicht? Es muss angesichts solcher Zahlen sehr wohl erlaubt sein, die Frage zu stellen, ob das Gesamtpaket „Abwrackprämie“ für den einzelnen Konsumenten tatsächlich ein gutes Geschäft war.

Meine Meinung zu dieser Frage kennen Sie ja bereits: nie und nimmer. Es gilt im Umgang mit staatlichen Förderungen immer der Grundsatz, dass man das Angebot misstrauisch betrachten muss, egal wie attraktiv es einem auf den ersten Blick erscheinen mag. Der Staat ist per se ein schlechter Ratgeber, wenn es um finanzielle Fragen geht. Wäre es anders, hätte er seine eigenen Finanzen im Griff. Hat er aber nicht und das aus einem einfachen Grund: Er verfolgt nicht das Wohl der Bürger, sondern folgt den Interessen der politisch Handelnden. Jede, absolut jede Investition, welche Sie tätigen, sollten Sie deshalb unabhängig von irgendwelcher staatlicher Förderung bezüglich ihrer Sinnhaftigkeit beurteilen. Erst wenn sich die Investition auch ohne staatlichen Zustupf lohnt, sollte man sie tätigen und dabei den Förderbeitrag als zusätzliches Schmankerl, als Sahnehäubchen mitnehmen. Wenn Sie so handeln, werden Sie jedoch nicht selten feststellen, dass es sich lohnt, auf die staatliche Förderung zu verzichten, weil das Schmankerl bei näherer Betrachtung mit unappetitlichen Vorbehalten, Einschränkungen, Bedingungen oder Vorschriften vergiftet wurde. Der Staat schenkt niemals irgendetwas, ohne den Bürger damit gleichzeitig auch zu belasten.

Rabatte als sicherer Konjunkturindikator

Nun, eigentlich soll es heute nicht um die Abwrackprämie gehen, sondern um die Tatsache, dass Rabatte auf Automobile von über 20% möglich sind. Was lesen wir daraus? Wenn Sie jetzt denken, „Fein, da kann ich ja ein tolles Schnäppchen machen!“, erfüllen Sie zwar mit einem Satz alle Kriterien, um in diesem Land problemlos eingebürgert zu werden, doch verfehlen das Thema bei Weitem. Die richtige Antwort hätte gelautet: Da weder der Händler, noch der Hersteller von Automobilen über eine Marge von 20 oder mehr Prozenten verfügt, müssen die ganz schön tief im Dreck stecken, wenn sie ihre Produkte so tief unter dem Preis verkaufen.

Es verwundert nicht, dass der höchste Rabatt von sagenhaften 46,2% auf ein Produkt der Firma Opel fällt. Und es ist kein Zufall, dass sich der Staat genau bei dieser Firma finanziell engagiert. Aber das Problem beschränkt sich nicht alleine auf die Fahrzeughersteller, auch andere Bereiche sind von sinkenden Preisen betroffen. Etwa bei den Lebensmitteln, wo die Preisschraube inzwischen derart massiv gedreht wird, dass man sich frägt, was einem da am Ende wohl aufgetischt wird.

Sinkende Preise sind das Gegenteil dessen, was man von einer sich erholenden Konjunktur eigentlich erwartet. Sinkende Preise sind ein Zeichen der Krise und die Aussicht, dass die Preiskämpfe erst dabei sind, ihre volle Kraft zu entfalten, stimmt einen für den weiteren Verlauf der Konjunktur nicht gerade optimistisch. Es untermauert vielmehr meine These, dass wir in vielen Bereichen der Wirtschaft vor einer harten Zeit mit Jobverlusten, Konkursen, Marktbereinigungen und von Verlusten triefenden Geschäftsberichten stehen. Es wird nicht die Zeit der Aktien sein.

Aber das hatten wir ja schon mehrfach in den letzten Wochen, da brauche ich mich nun wirklich nicht zu wiederholen. Wichtiger scheint mir heute, das Thema Inflation wieder einmal aufzugreifen. Schließlich sind sinkende Preise genau das Gegenteil dessen, was man unter Geldentwertung zu verstehen hat. Habe ich mich also geirrt? Muss ich meine These einer drohenden Inflationswelle in aller Stille beerdigen?

Fehlgeleitete Inflations-Prognose?

Nun, ich bin weit davon entfernt, allwissend zu sein und den Lauf der Dinge absolut zuverlässig voraussagen zu können. Irren liegt also auch bei mir jederzeit drin. Sie dürfen sich darauf verlassen, dass mich nicht scheuen werde einen erkannten Irrtum auch offen zu bekennen. In Bezug auf die prognostizierte Inflationswelle sehe ich allerdings keinen Anlass dazu:

Weder die USA, noch Großbritannien, noch Frankreich, noch die Deutschen ­zeigen ernsthafte Bemühungen ihr Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen. Die Zentralbanken haben – mit Ausnahme der Australischen – noch nichts unternommen die Geldmenge wieder zu reduzieren und angesichts der konjunkturellen Realitäten wird das wohl auch nicht so rasch geschehen.

Auf absehbare Zeit wird das Zuviel an Geld, durch ein Zuwenig an Investitionsbereitschaft in Schach gehalten. Diese Zurückhaltung ist jedoch zeitlich begrenzt, und selbst wenn sie fünf Jahre andauern sollte, für meine Aussage irrelevant. Inflation ist kein Problem, welches Ihnen heute oder in zwei Monaten Bauchschmerzen bereiten wird, sondern in zehn oder zwanzig Jahren, wenn Sie feststellen, dass ihre Altersvorsorge dahin ist. Eine kurz oder mittelfristige Phase mit Deflation, d.h. sinkenden Preisen, wird diese Entwicklung nur noch anheizen, weil der Staat in dieser Zeit bei dramatisch sinkenden Steuereinnahmen sich immer mehr verschulden wird. Wie werden wir uns von diesen Schulden befreien? Mit Steuererhöhungen. Mit Sparmaßnahmen? Sie ­belieben zu scherzen! Die Demokratie, in ­welcher Politiker gewählt werden, weil sie dem Volk überbordende Steuerbelastungen bei gleichzeitigem Abbau des Sozialstaates versprechen, ist noch nicht erfunden. Die Realität ist, dass gewählte Politiker über Steuersenkungen auf Pump diskutieren. Dass ein Absenken der direkten Steuer zwangsläufig mit einer Erhöhung der indirekten, versteckten Dummensteuer (Inflation) einhergeht, verschweigen sie entweder mangels Durchblick (sehr wahrscheinlich) oder mangels Aufrichtigkeit (noch wahrscheinlicher).

Kluges Handeln schützt jetzt vor schmerzhaften Verlusten
Natürlich erwarten Sie jetzt Auswege aus dem Dilemma. Die Rezepte hierzu sind immer noch dieselben, welche ich Ihnen vor einigen Monaten präsentiert habe:

ein ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten angemessenes Eigenheim. Energiesparmaßnahmen an bestehenden Immobilien.
Sachwerte wie Immobilienfonds – aber nur erste Wahl.
Rohstoffe (ETF, Fonds), falls Sie mit Wertschwankungen umgehen, können.
Britische Lebensversicherungen nach dem With Profits Prinzip.

Darüber hinaus sollten Sie ihre flüssigen Mittel sammeln, um nach einem Einbruch am Aktienmarkt im großen Stile investieren zu können.

Kritisch zu betrachten sind:

Anleihen ohne Inflationsschutz.
Anlagen im Dollarraum (Immobilien, Anleihen, Lebensversicherungsfonds, etc.).

Verboten in der aktuellen Situation gehören:

festverzinsliche Anlagen ohne Handelsmöglichkeit.

In meiner nächsten Kolumne werde ich Ihnen zeigen, dass Deflation und Inflation sehr wohl nebeneinander auftreten können. Es bleibt also spannend!

Ihr
Sidney Batt

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Oktober 4, 2009

Dreistigkeit siegt! Dummheit auch.

Die Nation wartet gespannt. Gibt sich die Politik auch in dieser Legislaturperiode der Lächerlichkeit preis und richtet einen Wahllügenausschuss ein? Wahrscheinlich ist das nicht, denn die Wahlversprechen waren heuer von einer Dreistigkeit, dass sie selbst dann unglaubwürdig gewesen wären, wenn die Parteien noch einen Restfunken an Glaubwürdigkeit auf sich vereinen könnten. Tun sie aber nicht. Gott sei Dank, mag man da nur denken.

Wären die Aussagen von CSU und FDP (die CDU war ja bezüglich ihrer Wahlaussagen sehr zurückhaltend…) für bare Münze zu nehmen, man müsste sich ernsthafte Sorgen um die Zukunft des Landes machen.

Alleine die Aussage, man wolle im Falle eines Wahlsieges die Steuern spürbar senken, treibt einem nüchternen Beobachter (Angst-) Schweißperlen auf die Stirn. Nun da der Wahlsieg gesichert ist legen die Lügenbolde noch einen drauf und beteuern die Ernsthaftigkeit ihrer Forderungen. Nun gut, vom Herz-Jesus-Sozialisten Seehofer hat man nichts anderes erwartet, denn nach seinem großmundigen Putsch in Folge des verlorenen Landratswahlkampfes, steht der arme Mensch definitiv ohne Kleider da.

Bedenklich ist jedoch, dass sich die FDP nicht auf die Position zurück zieht, man müsse nun zuerst die Kassenlage genau prüfen. Diese Forderung nach einem Kassensturz zu Beginn einer Regierungsbeteiligung ist doch traditionell das Mittel der Wahl, wenn eine Partei verhindern will  in die Schummelecke gestellt zu werden.

Aber dieses Mal scheint alles anders zu werden. Zwar haben die Koalitionsverhandlungen noch nicht begonnen, aber eines ist klar: weder Union noch FDP wollen vom Ziel nach einer steuerlichen Entlastung abrücken. Gut so, denn das macht uns Bürgern Hoffnung. Allerdings ist diese Hoffnung, irgend ein Arzt möge den Herrschaften eine geistige Unzurechnungsfähigkeit attestieren und sie quasi per Rezept von den Schalthebeln der Macht entfernen, ziemlich naiv…

Im Ernst. Die Unterschriften unter dem Koalitionsvertrag werden noch nicht trocken sein, wenn die ersten Stimmen sich erheben, die Umsatzsteuer an das durchschnittliche Europäische Niveau anzugleichen, steuerliche „Schlupflöcher“ zu stopfen oder neue Steuertatbestände einzuführen.

Zinswende steht an

Die sich abzeichnende Zinswende wird den wenigen Damen und den vielen Herren mehr Abkühlung bringen, wie jede kalte Dusche. Steigen nämlich die Zinsen, wird unser Land nicht durch die Schuldenlast erdrückt, sondern von der Zinsbelastung erdrosselt. Wegbrechende Steuereinnahmen, steigende Kosten für die Finanzierung von Arbeitslosenkasse, Gesundheitsfonds, Sozialleistungen, Rentenkasse, etc. werden darüber hinaus ihre Wirkung nicht verfehlen.

Also liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger: es ist Zeit sich auf die neue Großwetterlage vorzubereiten und schon einmal den Gürtel enger zu schnallen. Je besser Sie Ihre eigenen Haushalt unter Kontrolle haben, desto besser und agiler können Sie auf die bevorstehenden Mehrbelastungen reagieren. Will heißen: möglichst keine neuen Verpflichtungen, keine neuen Schulden, keine Investitionen mit hohen Folgekosten.

Ach ja, da wäre noch etwas im Zusammenhang mit der Zinswende: trennen Sie sich so rasch als möglich von allen handelbaren Rentenwerten, wie Anleihen, Rentenfonds, etc. Steigende Zinsen bedeutet einen massiven Kursverlust auf alte Zinspapiere. Muss nicht sein, wenn man rechtzeitig handelt.
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August 25, 2009

Aufruf zum Wahlboykott

Angela Merkel, aktuelle und wohl auch zukünftige Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland würde nach eigenem Bekunden 80% der Ideen Ihres größten politischen Gegners, dem sozialdemokratischen Außenminister Frank Walter Steinmeier, ohne Zögern mittragen. Angesichts der Tatsache, dass Herrn Steinmeiers politischer Ideenreichtum bislang eher selten Anlaß zu wilden politischen Diskussionen gab, weil er sich in unverbindlichen Banalitäten erschöpfte, lässt uns Frau Merkel mit dieser Aussage gänzlich alleine. Welche 80% meint Sie mitragen zu können und was ist mit den verbleibenden 20%, welche Sie in Zukunft lieber und vor allem viel besser mit der FDP realisieren kann?

Der Bundestagswahlkampf könnte inhaltsleerer und realitätsferner nicht sein. Das Land strebt in Riesenschritten einer Rekordarbeitslosigkeit entgegen, die Schulden und Verbindlichkeiten des Bundes nehmen mit realistisch gerechneten 2000 Milliarden EUR absurde Züge an, während die Verschiebungen des Weltwirtschaftsgleichgewichts und des Klimas, der demographische Wandel und das Horrorszenario einer anziehenden Inflation (Was aus der aktuellen Zinsbelastung von 71 Milliarden pro Jahr rasch deutlich mehr als 100 Milliarden werden lässt) noch nicht einmal eingepreist sind. Und welche Antworten gibt die hohe Politik auf diese Entwicklung?

Die Parteien bedienen sich eines leeren Füllhorns

Union und FDP geben die steuerlichen Wohltäter, die SPD beglückt die Rentner, die Linken wollen die Staatsquote gar weiter ausbauen und die Grünen setzen auf einen grünen New Deal und nehmen damit zumindest verbal ein Programm auf, welches die USA nachweislich mit extrem hohen Schulden belastet und die Krise wahrscheinlich um lange Jahre verlängert hat. Schöne Aussichten.

Insgesamt geht es bei der Wahl vom 27. September also um nichts, weil sich die Parteien unrealisierbare Wohltaten versprechen, sich darüber hinaus jedoch weigern konkrete Vorstellungen von Politik aufzuzeichnen: entweder weil sie keine konkreten Pläne haben oder weil sie mit aller Macht verhindern wollen, dass die Wähler eine echte Wahl haben. Der Heidelberger Professor war für Frau Merkel in dieser Beziehung eine stilbildende Erfahrung.

Grundsätzlich verhalten sich die Parteien so, weil die Wähler es so wollen. Aber auch, weil den einzelnen Parteien der ideologische Kitt, die Gemeinschaftsidee abhanden gekommen ist. Es sind schlicht und einfach keine programmatischen Ideen da, welche breite Bevölkerungsmassen begeistern könnten. Und jene Ideen von offenbar maßgebenden Einzelpersonen die da sind – jene von Frau Schmidt zum Beispiel – wünscht man mit Fug uns Recht ins Reich der Alpträume, aber nicht in gedruckte Form auf irgend welche öffentlichen Publikationen.

Die Politik lässt uns keine andere Wahl

Nein, die Bundestagswahl 2009 bietet weder in Bezug auf Parteien, noch in Bezug auf Personen eine Qual der Wahl. Das die Wahl trotzdem mit Qualen verbunden ist liegt einzig und alleine an den Ergüssen und Selbstdarstellungsbemühungen der Politprominenz. Aussichten auf eine valable Auswahl bietet dieses Trauerspiel auf keinen Fall.

Das praktizierte Wahlsystem in der Bundesrepublik lässt leider keinen anderen Weg zu, seine Unzufriedenheit mit dieser Situation zu äußern, als durch Fernbleiben oder „leer“ (ungültige Stimme) einlegen seinem Unmut Ausdruck zu verleihen. Nie fiel diese Wahl einfacher.

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Sidney Batt
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August 15, 2009

Trügerische Entwicklung an den Börsen

Das statistische Bundesamt vermeldete diese Woche das Ende der Rezession. Um satte 0,3% ist die Wirtschaft im vergangen Quartal gewachsen. Rein statistisch betrachtet bedeutet dies das Ende der schwersten Wirtschaftseinbruchs seit Bestehen der Bundesrepublik. Damit scheinen die exorbitanten Kursgewinne an der Börse plötzlich Sinn zu machen.

Der Schein könnte allerdings trügen, denn das Ende der Rezession bedeutet beileibe nicht das Ende der Wirtschaftskrise. Der Einbruch der Wirtschaftsleistung war derart gravierend, dass es irgend wann nur noch eine Frage der Zeit war, bis der Absturz ein Ende hat. Trotz der nun vermeldeten Steigerung der Wirtschaftsleistung im Jahresvergleich ist das Ende dieses Abschwungs aber noch nicht wirklich gekommen. Die präsentierten Zahlen haben nämlich den klitzekleinen Hacken, dass sie nur dank staatlichen Stützungsmassnahmen (Kurzarbeitsleistungen, Abwrackprämien, etc.) überhaupt möglich war.

Tatsache ist nämlich, dass die verheerenden Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftskrise viele Betriebe noch gar nicht richtig getroffen hat. Auf den ersten Blick mag diese Aussage vielleicht überraschen, aber ich kann meine Behauptung begründen:

Der Speck ist weg. Durch den dramatischen Einbruch der Auftragseingänge mussten viele Betriebe an ihre finanziellen Reserven. Ewig sind die Firmen jedoch nicht in der Lage vom Speck zu zerren. Besonders schlimm ist die Situation jener Betriebe, welche als Zulieferer der vom Bund gegängelten Vorzeigeunternehmen bereits in der Vergangenheit extrem im Preis gedrückt wurden und gerade so über die Runde gekommen sind. Viele dieser Firma sind bereits in größter Not und werden noch weiter ins Elend gedrückt, weil ihre Kunden den Druck noch weiter erhöht haben und sie nun sogar zwingen zusätzliche Risiken (Rohstoffpreise, Währungen, etc) zu übernehmen. Wir stehen in diesem bedeutenden Bereich deshalb vor einem wahren Flächenbrand.

Kreditfähigkeit weg. Es ist nicht nur so, dass die Banken ihre Kreditvergabe massiv überprüft haben, um neue Verlustpotentiale zu vermeiden (Ein Vorgang welcher – trotz politischer Querschüsse – absolut verständlich und notwendig ist. Erst die exzessive Vergabe von Krediten hat ja erst zu der aktuellen Krise geführt). Aus meiner Sicht mindestens so bedeutend ist die Tatsache, dass die Warenkreditversicherer sich sperren Risiken abzusichern, nachdem sie in den letzten Monaten von immer mehr Konkursen betroffen waren. Für die Industrie bedeutet dies, dass sie trotz vermindertem Eigenkapital, trotz gekürzten Limiten bei der Hausbank vermehrt in Vorleistungen gehen müssen, wenn sie ihre Rohmaterialien beziehen. Gleichzeitig steigen die Versicherungsprämien, verlängern sich die Zahlungsfristen (gerade der großen Konzerne und des Staates) und steigt das Risiko selber von Debitorenverlusten getroffen zu werden. Diese Entwicklung ist verheerend und wird noch zahlreiche Opfer fordern.

Produktivitätsvorteile weg. Der Einbruch bei der Auslastung der Betriebe hat dazu geführt, dass innert Jahresfrist die Produktionsgewinne vieler Jahre zunichte gemacht wurden. Hintergrund: wenn bei nur marginal gesunkenen Kosten die Stückzahlen massiv fallen, wird jede produzierte Einheit teurer. Damit sind die Produktivitätsvorteile z.T. von Jahrzehnten (!) auf einen Schlag verschwunden. Diese Produktivitätsgewinne waren jedoch wichtig, um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie auf den Weltmärkten zu sichern und gleichzeitig ordentliche Löhne in der Heimat zu sichern.

Währungsvorteile weg. Der Dollarkurs, welcher sich in den Monaten zuvor für die Industrie günstiger entwickelt hat, ist wieder unter Druck und es ist anzunehmen, dass sich diese Tendenz noch verstärken wird, weil die Vereinigten Staaten sich übermäßig verschulden.

Basiseffekt weg. Nachdem sich die Teuerung auf Grund der im Jahresvergleich gesunkenen Rohstoffpreise sogar gegen Null gesenkt hat, steigen die Rohstoffpreise nun wieder an. Viele Betriebe waren aus Sorge vor der wirtschaftlichen Zukunft, bzw. der Unsicherheit bezüglich der tatsächlichen Nachfrage nicht in der Lage sich gegen diese steigenden Rohstoffpreise abzusichern. Normalerweise hätten sie sich mit Material im Bereich der Produktionskosten eingedeckt, aber dazu fehlten ihnen einerseits die finanziellen Freiräume und andererseits die Gewissheit, dieses Material auch tatsächlich zu benötigen. Entsprechend müssen sie heute zum (teuren) Tagespreis einkaufen, was ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht gerade steigert.

Arbeitslosenwelle rollt erst an. Dank staatlicher Überbrückungsmaßnahmen konnte das Anschwellen der Arbeitslosenquote auf ein Niveau, welches die Schwere der Krise angemessen widerspiegelt, bislang verhindert werden. Diese Maßnahmenpakete laufen nun allerdings aus, weshalb die Krise demnächst auch den Konsumenten real erreichen wird. Ob die Party auf der Titanic dann weiter geht wie dies erstaunlicherweise heute der Fall ist, darf bezweifelt werden. Gerade die nach wie vor gute Konsumentenstimmung war ja dafür mitverantwortlich, dass diese 0,3% Zuwachs des BIP überhaupt möglich war.

Die Krise ist also nicht weg, sondern im Moment nur nicht richtig sichtbar. Das wird sich gegen Ende des Jahres aber ändern, weshalb sich auch die Entwicklung an den Börsen wieder der Realität anpassen wird. Aus diesem Grunde gehe ich davon aus, dass wir es mit einem kurzfristigen Zwischenspurt an der Börse zu tun hatten und rate allen potentiellen Anlegern ihr Engagement in Aktien zu reduzieren, bzw. mit einem Neuengagement bis zu einer deutlichen Korrektur der Preise aufzuschieben.

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Sidney Batt
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August 14, 2009

Kostolany ist tot!

In den vergangenen Wochen haben Aktien ein spektakuläres Comeback gefeiert. Wer gut beraten wurde oder den richtigen Riecher hatte konnte ohne Insiderwissen sein Kapital locker um die Hälfte vermehren. Jetzt aber heißt es Demut und Dankbarkeit zeigen und sich mit diesem (Zwischen-) Erfolg zufrieden geben. Leider zeigt die Praxis, dass diese an sich einfache Verhaltensweise in Deutschland nicht funktioniert.

Niemand hat die Aktienkultur bei den Deutschen Kapitalanlegern mehr geprägt als André Kostolany (1906-1999), Börsenexperte mit ungarischen Wurzeln. Seine lebensnahen Erfahrungsberichte und Weisheiten welche er in unbeschreiblich treffender Form in kleine witzige Sprüche konzentrierte, eroberten die Herzen der interessierten Anleger im Sturm. Kunststück: seine größte Popularität errang Kostolany in einer Zeit, in welcher jeder Idiot an der Börse ein Vermögen machen konnte. Die Tatsache, dass Kostolany noch vor dem Platzen der Internetblase verstarb, verhinderte wahrscheinlich auch einen Absturz seiner Popularität.

Kostolany ist tot – begraben Sie jetzt auch seine Anlegertipps

Ohne jeden Zweifel war Kostolany ein glänzender Entertainer und seine Sprüche waren nicht einfach nur platt, sondern trafen den Kern der Sache sehr präzise. Kostolany verstand es die wissenschaftlich daherkommende Börsengilde mit feinen Worten zu entzaubern und als das darzustellen, was sie auch wirklich sind: irrational handelnde Menschen mit individuellen Schwächen.

Leider sind es aber nicht diese Feinheiten, welche bei den Privatanleger den längsten und tiefsten Eindruck hinterlassen haben. Seine bedeutendste Mitteilung an die Adresse der Privatanleger war, dass man Aktien nach dem Kauf nur lange genug liegen lassen müsse, wenn man erfolgreich sein wolle.

Dieses „Buy and Hold“ ist jedoch definitiv vorbei und das nicht erst seit dem Platzen der Internetblase. Wahrscheinlich war diese Aussage sogar nie ganz richtig oder zumindest nie optimal. Richtig ist: wer in Aktien investiert muss die Bereitschaft mitbringen, diese Anlage mindestens zehn Jahre und länger zu halten. Verwechseln sie bitte „Bereitschaft“ nicht mit „Pflicht“.

Die Märkte bewegen sich inzwischen derart schnell und heftig, dass man nachgerade fahrlässig handelt, wenn man sein Vermögen nicht kontinuierlich den Veränderungen anpasst. Doch schon in früheren Jahren galt die mathematische Grundregel, dass es einfacher ist Verluste zu begrenzen, als Verluste wieder auszugleichen. Der passende Spruch von dazu von Kostolany:

Gewinnen kann man, verlieren kann man,
aber zurückgewinnen: unmöglich…

Will sagen: Verluste begrenzen ist das Wichtigste überhaupt, wenn man im Aktienmarkt engagiert ist. Am schönsten ist es natürlich, wenn man bereits verbuchte Gewinne nicht mehr verliert. Womit wir wieder bei meiner eingangs erwähnten Markteinschätzung sind: wer 50% Gewinn einstecken kann, sollte nicht erwarten, dass aus diesen demnächst 100% werden, sondern sollte sich damit zufrieden geben und sich von der Börse verabschieden.

Das Gefährlichste an solch aussergewöhnlichen Marktphasen ist, dass die glücklichen Anleger das Gefühl erhalten, sie hätten nun den Dreh raus. Tatsache ist aber, dass es in erster Linie Mut und in zweiter Linie Glück braucht um Gewinne in dieser Größenordnung einzufahren. Oder Insiderwissen - was jedoch strafbar ist.

Glauben Sie niemals, Sie hätten den Stein der Weisen gefunden. Diese Einstellung weist den sicheren Weg ins Unglück. Oder um es wieder mit Kostolany zu sagen:

Die ganze Börse hängt nur davon ab,
ob es mehr Aktien gibt als Idioten
oder mehr Idioten als Aktien.

Seien Sie kein Idiot. Bleiben Sie bei der Erkenntnis, dass es keine Gewinne ohne wirtschaftliche Leistung gibt. Die Erfahrung lehrt uns, dass eine regelmäßige Gewinnsteigerung von 50% von keiner Unternehmung der Welt langfristig zu leisten ist. Mit Aktien können Sie – wenn Sie langfristig investiert sind – eine Rendite erwarten, die 2-3% über jener der Anleihen liegt. 50% Gewinn rechtfertigt deshalb eine Haltedauer von 5-6 Jahren. Wenn Sie deutlich kürzer investiert waren, haben Sie ein Schnäppchen gemacht und müssen damit rechnen, dass sich dieser Zusatzgewinn auf die Dauer wieder relativiert. Darum ist jetzt ein günstiger Zeitpunkt um sich von Aktien zu trennen.

Auch im Börsengeschäft gilt die alte kaufmännische Weisheit, dass der Gewinn im Einkauf liegt. Wenn Sie also im Frühling günstig eingekauft haben, so können Sie nun Kasse machen. Die meisten Deutschen dürften diesen Moment jedoch verpasst haben.

Wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen,
der hat sie auch nicht, wenn sie steigen.

Danke Herr Kostolany! Dabei sein ist also alles, aber es ist von Vorteil den passenden Einstiegspunkt abzuwarten. Es gibt gute Gründe weshalb man im realen Leben nicht versucht auf einen fahrenden Zug aufzuspringen. An der Börse lohnt es sich aus denselben Gründen solange zu warten, bis sich die Lage nach einer stürmischen Phase wieder beruhigt hat.

Klevere Anleger verhalten antizyklisch, d.h. sie kaufen dann, wenn die Anderen verkaufen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass dumme Anleger mit Verlust verkaufen um dann nicht mehr dabei zu sein, wenn die Sause los bricht. So wie die Deutsche Versicherungswirtschaft, welche dieses Verhalten quasi institutionalisiert hat und gemäss Zeitungsberichten auch dieses Mal den Trend gänzlich verschlafen hat. Wahrscheinlich handeln die Brüder auch dieses Mal zyklisch und investieren aus Angst etwas verpasst zu haben in einen bereits bestens entwickelten Markt

Doch wer jetzt noch in Aktien investiert, der dürfte sich mit größter Wahrscheinlichkeit eine blutige Nase holen: die Börsenentwicklung fußt nämlich nicht auf realen Fakten, sondern auf dem Prinzip Hoffnung. Auch mit dem jüngst angekündigten Aufschwung dürfte es nämlich bald wieder vorbei sein, weil die aktuelle Wirtschaftskrise viele Unternehmen noch gar nicht richtig erreicht hat.

So steht in Deutschland die Automobil- und Maschinenindustrie erst im kommenden Jahr vor ihrer grossen Bewährungsprobe, wenn Sie – wegen der gesunkenen Auslastung – mit extrem gestiegenen Stückkosten auf eine sinkende Nachfrage reagieren muss. Finanzielle Reserven sind inzwischen knapp, die Kreditfähigkeit am Boden, der Dollar schwach und die Rohstoffpreise bereits wieder auf einem Level, welches an eine Hochkonjunktur erinnert. Nein, die Wirtschaftskrise ist noch längst nicht ausgestanden. Entsprechend wird sich in den kommenden Monaten auch der Aktienmarkt wieder beruhigen, wenn nicht sogar einstürzen. Das wiederum ergibt günstige Einstiegsgelegenheiten. Aktuell sind solche – zumindest in Europa – nicht zu sehen.

Abschließen möchte ich meinen Finanztipp mit einen Zitat von Kostolany. Freuen Sie sich nochmals über seine kernigen Aussagen und nehmen Sie danach Abschied. Behalten Sie Kostolany als wunderbaren Menschenkenner und Entertainer in Erinnerung, aber vergessen Sie seine Ansichten zu „Buy and Hold“.

Wer an der Börse nicht an Wunder glaubt,
der ist ein Realist…

Sie sind anderer Meinung oder wollen dieses Thema mit mir diskutieren? Dann schreiben Sie mir an finanzredaktion(at)altersportal.de oder diskutieren das Thema mit mir in meinem Block: www.finanzredaktion.wordpress.com.  Dort finden Sie ab sofort auch meine tagesaktuellen Kommentare zu finanzpolitischen Themen.

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August 10, 2009

Ihre Altersvorsorge in Stein gehauen.

Die eigene Immobilie ist seit jeher das Vorsorgeinstrument schlechthin und das mit gutem Grund: im Gegensatz zu sämtlichen anderen Anlageobjekten ist ein Eigenheim kein Mittel zum Zweck, sondern deckt direkt und ohne Umweg ein unverzichtbares Grundbedürfnis des Menschen ab. Ich will mich heute mit der Frage beschäftigen, ob Immobilien generell ein gutes Investment für das Alter darstellen, was man dabei beachten muss und ob aktuell der richtige Zeitpunkt für ein Engagement gekommen ist.
Des Deutschen höchster Traum ist die Vorstellung im Alter mietfrei wohnen zu können. Der nachvollziehbare Hintergedanken dieses Traumes ist, dass vermiedene (Wohn-) Kosten gleich viel Wert haben, wie zusätzliches Einkommen zur Bestreitung einer Miete. Natürlich schwingt nicht nur ökonomische Vernunft mit, wenn der Traum vom Eigenheim realisiert wird, sondern auch Stolz und Status. Und genau dies macht das Thema etwas komplizierter als gedacht.
Kaum ein Häuslebauer beschränkt sich nämlich darauf, seine Mietsituation 1:1 in eine Eigentumssituation zu wandeln. Wer kauft oder baut stellt erfahrungsgemäß deutlich höhere Ansprüche an sein Zuhause, was zu Lasten der Vernunft, bzw. des Budgets geht. Meist äußert sich dies im Umstand, dass die Altersvorsorge Haus einen viel zu hohen Anteil am Alterskapital einnimmt. Kurz gefasst ist die daraus folgende Konsequenz: tolles Haus, wenig Cash, finanzielle Einschränkungen und Sorgen, obwohl genügend Kapital vorhanden wäre.
Das Budget „Wohnen“ sollte im bescheidenen Haushalt 30%, in finanziell besser ausgestatteten Kreisen 40% des zur Verfügung stehenden Einkommens/Vermögens nicht übersteigen. Wird dieser Grenzbereich überschritten, sollten Sie sich vor Eintritt ins Rentenalter bewusst sein, dass diese Immobilie sinnvollerweise nicht zu halten ist und sich so früh wie möglich mit dem Gedanken anfreunden, dass Sie Ihr Haus gegen eine günstigere (wahrscheinlich auch praktischere) Eigentumswohnung o.ä. eintauschen sollten.

Immobilie als Sachwertschutz gegen Inflation

Natürlich könnten Sie das Geld auch nehmen und zur Miete wohnen. Eigentlich ist das kein schlechter Weg, welcher zumindest ein Maximum an Flexibilität ermöglicht. Allerdings geht Ihnen damit der größte Vorteil einer Immobilienanlage verloren: der Inflationsschutz eines Sachwertes.
Wie Sie wissen gehöre ich zu jener Fraktion, welche übrigens schon seit bald 20 Jahren darauf hinweist, dass der Staat seine Schulden nur in Ausnahmefällen zurück zahlt. In der Regel befreit er sich von drückenden finanziellen Verpflichtungen entweder durch Krieg (wovon wir aktuell nicht ausgehen müssen) oder durch Inflation. Inzwischen ist aus der fernen Perspektive nahezu Realität geworden, weshalb ich mit einem gesteuerten Anziehen der Teuerung, wenn nicht sogar einer außer Kontrolle geratenen Inflationswelle rechne. Schön wenn man da eine selbstgenutzte Immobilie hat, deren Wert auch bei nach so großer Geldentwertung immer den Wert „Wohnen“ hat und behält.

Immobilien jenseits des Eigengebrauchs

Natürlich gibt es auch andere Formen von Immobilienanlagen, welche grundsätzlich ebenfalls von einem Sachwertcharakter profitieren können. Etwa die vermietete Immobilie oder Anteile an einem geschlossenen oder offenen Immobilienfonds.
Grundsätzlich sind diese Anlagen ein guter Inflationsschutz. Wenn ich von „grundsätzlich“ spreche relativiere ich diese Aussage ganz bewusst. Vermietete Immobilien haben zwei Nachteile gegenüber einem selbst bewohnten Objekt: Sie brauchen jemanden der die Miete regelmäßig zahlt und müssen darauf vertrauen, dass die Miete dem Geldwert folgt. Beide Faktoren sind aber keineswegs garantiert.
Was die Zahlungsmoral von Mietern betrifft, so gibt es eine Vielzahl von Berichten, welche einem den Glauben an eine gerechte Welt verderben. Oft ist es zudem so, dass nicht nur die Mieten ausbleiben, sondern das Mietobjekt nachgerade ruiniert wird. Einziges Mittel gegen diese Erfahrung ist eine breite Risikostreuung (10 Einheiten und mehr) was aber den wenigsten Anlegern gegeben ist.
Außerdem sind Mieten in schwierigen Zeiten oft politischer Willkür ausgesetzt. Sie dürfen also nicht damit rechnen, dass in wirtschaftlichen Krisenzeiten die Mieteinnahmen im selben Takt steigen wie die Kosten.
Nachteilig an Immobilien ist weiter, dass sie nur schwer und meist nur als Ganzes zu liquidieren sind. Besser sind da Beteiligungen an Immobilienfonds oder börsenkodierten REITS, welche eine breite Risikostreuung und kleine Stückelungen erlauben, welche bei Bedarf ganz oder auch teilweise verkauft werden können. Nachteilig – zu sehen als eine Art Risikoprämie – ist dabei allerdings deren Kostenstruktur. Allerdings gibt eine Immobilie im Depot erfahrungsgemäß deutlich weniger Arbeit und Stress mit Mietern wie eine selbst betreute Liegenschaft.
Bleibt noch das Risiko. Da gibt es nichts zu beschönigen: es ist enorm. Bei einem Eigenheim merken Sie das natürlich nicht, weil es keinen transparenten Markt gibt und Sie Ihr Haus auch nicht jeden Tag feil bieten. Tatsache aber ist, dass die kurzfristige Wertschwankungen jenseits von dem ist, was der normale Anleger normalerweise bereit ist einzugehen. Diese Schwankungen werden durch die Kreditfinanzierung (Hypothek) meist sogar um das Mehrfache gehebelt! Das beunruhigt den Anleger nur aus einem einzigen Grunde nicht: Immobilienanlagen sind Langläufer. Aus diesem Grunde schaut man sich den Preis nicht täglich an und wird sich der enormen Schwankungen dadurch nicht gewahr. Eigentlich eine gute Voraussetzungen für solche Investments. Passend übrigens zu der Anlagekategorie von kommender Woche: Aktien.

Kaufen oder Zuwarten?

Zur Zeit ist der Zeitpunkt um Immobilien zu investieren nicht wirklich schlecht, aber auch nicht definitiv günstig. Positiv ist, dass gerade im gewerblichen Bereich die Preise deutlich in Rutschen geraten sind, nachdem unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise Preise bezahlt wurden, welche inakzeptable Renditen von 3-4% versprachen. Ursache war eine Liquiditätsschwemme, welche Geld unglaublich billig gemacht hat. An der Liquidität und günstigen Zinsraten mangelt es auch heute nicht. Allerdings sind die Risikoprämien heute deutlich höher, als noch vor 18 Monaten. Wesentlicher ist allerdings, dass wir keine wirkliche Ahnung haben, in welche Richtung die Konjunktur mittelfristig geht. Das Risiko von Mietausfällen halte ich aktuell außerordentlich hoch. Entsprechend ist bei der Wahl der Objekte darauf zu achten, dass nur erstklassige Mieter, mit langfristigen Mietverträgen, am besten mit indexierten Mietverträgen, vorhanden sind. In diesen Fällen ist die Anlage ein Kauf. In allen anderen Fällen würde ich in der Tendenz eher zuwarten, wie aus einem Gefühl des Anlagenotstandes ins Risiko zu gehen.
Was Eigenheime betrifft, so sollten Sie die Chance nutzen, welche die aktuelle Zinslandschaft bietet. Vorausgesetzt das Objekt, die Lage, der Preis und Ihre berufliche Zukunft stimmen.

 

Besuchen Sie auch meine wöchtentliche Finanzkolumne aufwww.altersportal.de.

Ihr

Sidney Batt
Finanzplaner mit eidg. FA (FH)

 

Juli 30, 2009

Willkommen in Deutschland

Man stelle sich Folgendes vor: eine politische Persönlichkeit zeichnet über viele Jahre dafür verantwortlich, dass die Leistungen des gesetzlich geregelten Gesundheitssystems zum einen immer teurer, zum anderen immer schlechter werden. Diese Persönlichkeit verantwortet eine gigantische Gesundheitsreform, welche aus ideologischen Gründen als Bürokratiemonster designed wurde, welches Milliarden fressen wird, allen Beteiligten mehr Aufwand ohne jeden Mehrwert bringt. Stellen wir uns vor, nach Jahren des sinnlosen Wirkens hinterließe diese Personen Strukturen, mit welchen sich kein einziger der Beteiligten auch nur einen Hauch identifiziert, weil jeder weiß, dass dieser Schrott am besten gleich abgerissen und neu durchdacht werden sollte.

Würde man erwarten, dass diese Person deshalb ihre politische Zukunft riskiert, weil sie das macht, was ihr zusteht und sich der Volkszorn an lächerlichen (und wohl auch populistisch falsch berechneten) 10´000 EUR entfacht?

Das sind so die Momente, in denen ich am Sinn und Zweck, vor allem aber an der Funktionsfähigkeit des bundesdeutschen Demokratiemodells zweifle.

Mai 22, 2009

Der Reiz des Gebrauchten

Nachdem ich Ihnen in meinem letzten Finanztipp dargelegt habe, weshalb ich klassische Zinswerte wie Anleihen oder Rentenfonds als Anlage derzeit nicht empfehlen kann, ja es zum Teil sogar als fahrlässig erachte, in diesen Sektor zu investieren, sind wir eigentlich noch keinen Schritt weiter, wenn es darum geht das vorhandene Kapital mittelfristig sinnvoll anzulegen. Mein Glück ist, dass der durchschnittliche Deutsche Kapitalanleger zurzeit keinen eigentlichen Anlagenotstand empfindet, sondern wie eine verängstigte Maus in geduckter Haltung der Dinge harrt die wohl noch kommen werden. Gut so, zumindest in Bezug auf den fehlenden Anlagenotstand, denn Zeitdruck ist zu jeder Marktphase eine schlechte Voraussetzung für einen weisen Anlageentscheid.

Als Finanzplaner lege ich jene Gelder mittelfristig an, für welche ich in den kommenden 4-10 Jahren keine Verwendung habe. Nun ist das mit der Zukunftsvoraussage so eine Sache: selten kommt es so, wie man sich das im Vorfeld schön zurecht gelegt hat. Und je weiter die Zukunftsprognose geht, desto unwahrscheinlicher ist es, dass das vorgesehene Szenario auch tatsächlich eintrifft. Aus meiner beruflichen und privaten Erfahrung heraus kann ich Ihnen sagen, dass 4 Jahre bereits eine extrem lange Zeit ist, welche nur schwer zu kalkulieren ist.

Sicherheit vs. Rendite

Weil das so ist, darf man die Zeitspanne von 4-10 Jahre auch nicht absolut nehmen. Das für diese Zeit reservierte Kapital wird – aus heutiger Sicht – für diese Zeitspanne nicht gebraucht. Sollte dem aber wider Erwarten doch der Fall sein, muss man die Möglichkeit haben, auf das vorhandene Geld zurück zu greifen. Es darf nicht sein, dass dieses Kapital zwar hübsch Zinsen trägt, im Notfall jedoch nicht oder nur mit grossen Verlusten verfügbar ist.

Das ist eine klassische Zwickmühle, denn zum einen wollen wir natürlich eine anständige Rendite erwirtschaften, welche in der Lage ist Wertverluste durch Steuern und Inflation auszugleichen, müssen dabei jedoch flexibel bleiben, was ein erhöhtes Risiko praktisch ausschliesst. Keine einfache Aufgabe also, welche sich uns hier stellt.

Investieren Sie in eine Gebrauchte!

Aber es gibt Alternativen und eine davon will ich Ihnen hier nun präsentieren. Das Stichwort hierzu lautet TEPS oder weniger technisch formuliert: gebrauchte Britische Lebensversicherungen.

Vielleicht lässt sie der Begriff der Lebensversicherung nun aufhorchen, denn genau davor warne ich Sie ja bereits seit Wochen. Meine Warnungen beziehen sich allerdings auf Deutsche Lebensversicherungen, welche in absehbarer Zeit zwischen steigenden Inflationsraten und zu geringen Renditen auf Festverzinslichen aufgerieben werden.

Britische Lebensversicherungen sind anders. Eigentlich muss man sie sich eher wie eine Vermögensverwaltung im Mantel einer Lebensversicherung betrachten. Dabei haben britische Policen sehr wohl Eigenschaften, wie wir sie von den Deutschen Pendants her kennen:

  • einen Deckungsstock, welcher garantiert ist.
  • Garantierte Zinsen (allerdings keine fest garantierten)
  • Überschussbeteiligung (With Profits)
  • Risikoschutz – je nach Bedarf und Produkt unterschiedlich.

In Ihrer Anlagepolitik verhalten sich britische Policen allerdings ganz anders: im Gegensatz zu Deutsche Versicherer investieren Briten gerne und erfolgreich in den Aktienmarkt. Dadurch sind ihre Renditen natürlich mit jenen von Deutschen Policen nicht zu vergleichen. Ausserdem stehen sie einer anziehenden Inflation keineswegs wehrlos gegenüber, da Aktienanlagen in einem funktionierenden Markt die Geldentwertung mehr als wettmachen können.

Aber mit Aktieninvestments sind natürlich auch höhere Risiken verbunden. Aus diesem Grunde haben die Briten ein Sicherungssystem entwickelt, welches jedem anderen Garantieprodukt (Garantiefonds, etc.) weit überlegen ist:

  • Der Wert einer Britischen Police setzt sich zum einen aus einem garantierten Anteilspreis zusammen, welcher niemals sinken kann (und auf welchem der variable Zins bezahlt wird, welcher – einmal gutgeschrieben – ebenfalls garantiert ist).
  • Zum anderen gibt einen variablen, nicht garantierten Teil, welcher unter Umständen stark schwanken kann. Damit der einzelne Anleger dies nicht zu spüren bekommt, haben die Briten das Smoothing erfunden, welches an die Stelle eines zufälligen Tageswertes eine Art Durchschnittswertentwicklung setzt. Über diesen Link –> erfahren Sie mehr über das Smoothing.

Bei gebrauchten britischen Lebensversicherungen, d.h. Versicherungen welche von ihren ursprünglichen Besitzern verkauft werden, sind die Garantiewerte zur Zeit derart hoch, dass man als Anleger nur noch die Chancen des Marktes in seinen Büchern hat, während die Risiken von den aufgebauten Reserven der Vergangenheit kompensiert werden. Eine extrem attraktive Ausgangslage also.

Was es bei TEPS zu beachten gibt

Nachteilig an TEPS ist, dass deren Wertentwicklung anders als bei Aktien oder Anleihen nicht als Börsenkurs verfolgt werden kann. Es gibt zwar Händler, welche alte Policen vermitteln, aber keine Börse wo alle Einzelpolicen gelistet wären. Es funktioniert im Grunde gleich wie bei Deutschen Lebensversicherungen.

Gebrauchte Britische Policen sind zur Zeit ein extrem sicheres Investment. Allerdings nur auf der Basis des britischen Pfunds. Dieses hat in den vergangenen Monaten einen extremen Sinkflug erlebt und befindet sich auf einem historischen Tiefststand. Daraus automatisch zu schliessen, es können nun nicht mehr tiefer fallen wäre allerdings fahrlässig. Richtig ist, dass Währungen zu jeder Zeit steigen und fallen können und das ungeachtet ihrer historischen Entwicklung.

Gerade wegen diesem Währungsrisiko sind TEPS darum eine Anlage für den mittleren Zeithorizont. Attraktiv, aber eben nicht ganz ohne das Risiko, dass sich die Anlage entweder schlechter oder besser als die Erwartungen schlägt. Mehr über TEPS erfahren Sie hier –>. Wenn Sie konkrete Fragen zu TEPS haben, können Sie mir diese auch direkt per Mail finanzredaktion@altersportal.de stellen.

Besuchen Sie auch meine wöchtentliche Finanzkolumne auf www.altersportal.de.

Ihr

Sidney Batt
Finanzplaner mit eidg. FA (FH)

Nachtrag: Eigentlich wollte ich Ihnen an dieser Stelle nun einen Lösungsansatz vorstellen, welche diesen Problemkreis elegant und sicher löst. Leider ist dieses Produkt zur Zeit noch nicht für den öffentlichen Vertrieb zugelassen, darf darum nur im Rahmen bestehender Kundenbeziehungen „privat“ platziert werden. Weil es den Lesern meiner Kolumne jedoch möglich sein sollte die empfohlenen Anlagen auch ohne mein Zutun zu beziehen, muss ich mit der Vorstellung dieses Konzeptes noch weiter warten, bis es das Bewilligungsverfahren der BAFIN durchlaufen hat. Sorry!

April 29, 2009

Renten, Anleihen und andere Pleiten

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise haben Deutsche Privatanleger ihr Vermögen zu einem großen Teil angelegt oder in den sicheren Hafen der Staatsanleihen gesteuert. Ausschlaggebend für diesen Trend war das Versprechen der Bundesregierung, dass sie es nicht zulassen werde, dass die Anleger durch Bankenpleiten Geld verlieren würden. In meinem letzten Finanztipp habe ich dargelegt, dass ein solches Anlegerverhalten kurzfristig durchaus Sinn machen kann, mittel- und langfristig jedoch nicht dazu geeignet ist den individuellen Wohlstand zu halten. Gesucht sind echte Alternativen.

Schon in wirtschaftlich unauffälligen Jahren ist es für den konservativen Anleger praktisch unmöglich, mit Konten und Anleihen seinen Besitzstand im wahrsten Sinne des Wortes zu erhalten. Verantwortlich für diese Miesere ist, dass der Realzins (Realzins = angebotener Zinssatz, abzüglich die Teuerungsrate) bei konstantem Risiko ziemlich stabil bleibt, während der betragsmäßige Steueranteil bei steigendem Nominalzins immer größer wird.

Beispiel: Eine Kapitalanlage in der Höhe von 10.000 EUR, bringen einen Realzins von 1,5%, also 150 EUR. Bei ein Teuerung von 0,5% (und einem Nominalzins von 2%) fallen 40 EUR Steuern an. Ergebnis: 200 EUR Zins werden am Ende des Jahres ausbezahlt, 56 EUR sind an Steuern zu bezahlen und 50 EUR gehen an Kaufkraftverlust verloren. Gewinn: 94 EUR.

Bei einer Inflation von 4,5% werden 600 ausbezahlt. 168 EUR davon gehen an Steuern verloren und 450 an Geldentwertung. Verlust 18 EUR.

Sie können nun leicht nachvollziehen, weshalb bei steigender Teuerung die Realerträge sogar ins Negative drehen. Ausweichen kann man dem nur, wenn man den Realzins erhöht, was aber mit höheren Risiken verbunden ist. Aus meiner Sicht geht das in Ordnung, weil ich persönlich damit umgehen kann, wenn mit solchen Investments möglicherweise Geld verliere. Die meisten Anleger sehen das allerdings nicht so locker und hadern danach mit ihrem Schicksal. Oder lassen die Öffentlichkeit für die fahrlässig eingegangenen Risiken bluten…

Diese Rechnung geht übrigens nicht so richtig auf. Wer sich heute längerfristig bindet, der startet mit seinem Nominalzins mutmaßlich unterhalb der zukünftigen Inflationsrate. Solche Anleihen sind also – da wir von einer steigenden Teuerung ausgehen müssen! – geradezu fahrlässig. (Um das unfeine Wort „dumm“ nicht zu verwenden…)

Indexgebundene Anleihen als Alternative?

Es gibt heute Wege, dieser Gefahr auszuweichen, indem man Anleihen oder ETF’s zeichnet, welche an die Teuerung gekoppelt sind. Bei diesen Anleihen ist jedoch in der Regel der Realzins (also die Differenz zwischen Coupon und Teuerung) tiefer. Bei steigender Teuerung nimmt daher zwar ihre Zinsauszahlung zu, wegen des Steuereffektes rutscht sie jedoch noch rascher in den Realverlust, wie bei einer Anleihe mit einem festen Coupon.

Der Markt der inflationsgeschützten Anleihen ist noch vergleichsweise eng. So haben zum Beispiel die Finanzminister zur Zeit kein echtes Interesse daran, solche Anleihen in großer Zahl auszugeben. Den Grund dafür können Sie sich ganz einfach ausrechnen: normalerweise saniert sich ein Staat über die Inflation, weil seine Schulden an Wert verlieren. Bei indexierten Schulden ist das anders. Bei steigender Teuerung werden die zu zahlenden Schuldzinsen zu einem kaum beherrschbaren Risiko. Bereits heute ist der Staat dabei seinen finanziellen Spielraum auszureizen. Bei steigenden Zinsen könnte – nein, dürfte – er sehr rasch überfordert sein. Das Debakel ist greifbar. Bei Unternehmen und Organisationen potenziert sich dieses Risiko sogar.

Als Anleger müssen Sie also wissen, dass indexierte Anleihen nicht nur die jährlichen Zinszahlungen steigen, sondern auch das Risiko das Geld durch Kaufkraftverlust (wegen der Steuer) und die Zahlungsunfähigkeit des Schuldners zu verlieren.

Zukünftiges Anlagerisiko beachten.

Einen weiteren Punkt sollten Sie beachten, wenn Sie die Lockrufe Ihres Bankberaters hören: ein Finanzminister wird sich HEUTE festverzinslich finanzieren, wenn er das kann. Grund: er sichert sich damit die tiefen Zinsen für die Zukunft. MORGEN wird er indexierte Produkte ins Auge fassen, weil dann vielleicht die Teuerung gestiegen sein wird und er hofft, dass die Zinsbelastung in der Zukunft sinken könnte.

Die Interessen der Anleger liegen genau umgekehrt. HEUTE will er indexierte Rentenpapiere, weil er mit höheren Zinsen rechnet. Sobald die Zinsen jedoch hoch sind, will er sie auf lange Zeit festschreiben. Das bedeutet: MORGEN will kein vernünftiger Anleger eine indexierte Anleihe kaufen, weshalb diese massiv an Wert verlieren wird. Dumm, wenn man in dieser Situation verkaufen muss.

Fazit: wer in der heutigen Zeit eine Anleihe kauft, ist entweder Masochist* oder Anlagechef einer Deutschen Versicherungsgesellschaft. Diese stehen nämlich unter einem massiven Anlagedruck und müssen Anleihen kaufen. Das Fatale daran ist, dass genau wissen, dass sie sich damit in eine schier unlösbare Zwickmühle bringen. Zum liegt der aktuelle Zinssatz deutlich unterhalb ihrer eigenen Verpflichtungen gegenüber den Versicherten, zum andern riskieren sie bei einem allfälligen Anstieg der Inflation den Realwert Ihres Deckungsstocks nachhaltig zu beschädigen. So oder so, egal ob die Teuerung tief bleibt oder die Inflation massiv in die Höhe schießt: klassische Lebensversicherungen sind zur Zeit mega-out.

Keine Rentenpapiere ins Portfolio!

Sie werden unschwer erkannt haben, dass ich kein gutes Gefühl bei festverzinslichen Wertpapieren habe. Der klassische Topf der mittelfristigen Anlageinstrumente – die Festverzinslichen in jedwelcher Form – bleibt bei mir zur Zeit leer. Ausgenommen davon sind günstige Kaufgelegenheiten im Bereich der Firmenanleihen, weil der Staat mich gelehrt hat, dass er bereit ist mein unternehmerisches Risiko zu tragen, wenn ich mich nur dreist genug im richtigen Segment bewege.

Trotzdem gibt es jedoch Alternativen. Diese werde ich Ihnen in meiner kommenden Kolumne präsentieren.

Sie sind anderer Meinung oder wollen dieses Thema mit mir diskutieren? Dann schreiben Sie mir an finanzredaktion(at)altersportal.de oder diskutieren das Thema mit mir, hier in in meinem Block. Besuchen Sie auch unser Internetpräsenz auf www.altersportal.de .

Ihr

Sidney Batt
Finanzplaner mit eidg. FA (FH)

*natürlich muss man nicht Masochist sein, um auch heute in den Rentenmarkt zu investieren. Spekulative Investment, welche auf sinkende Zinsen setzen, können für geeignete Anleger durchaus Sinn machen. Aber einmal ganz ehrlich: die Wahrscheinlichkeit, dass gerade SIE dafür geeignet sind ist kleiner wie 1%!