Nicht jede Nachricht, welche in diesen Tagen aus Berlin kommt, muss zwangsläufig zu ein Gefühl der Resignation auslösen. Es gibt auch Fakten, welche ein lautes, enthemmtes Frohlocken provozieren. Etwa jene, dass die unsägliche Gesundheitsministerin Ulla Schmidt endlich der Vergangenheit angehört. Möge sie Ihren politischen Ruhestand in Frieden und von mir aus auch in Wohlstand genießen. Hauptsache sie bleibt im Ruhestand!
Man kann Frau Schmidt zugutehalten, dass Sie alles versucht hat, das Gesundheitswesen nach Ihren Vorstellungen zu gestalten. Muss man aber nicht. Sie hinterlässt ihrem Nachfolger nämlich ein System, welches nicht nur extrem bürokratisch, intransparent und teuer ist. Nein, das Schlimmste was man dieser Frau vorwerfen muss ist, dass es unsozial ist. Auf jeden Fall unsozialer wie zum Zeitpunkt, als sie das Ministerium übernommen hat. Natürlich sieht sie das ganz anders, aber genau damit ist das Problem Ulla Schmid bestens und vor allem abschließend beschrieben.
Rückblickend müssen wir wahrscheinlich froh darüber sein, dass Frau Schmidt nur Gesundheitsministerin war. In anderer Funktion wäre Sie unter Umständen in der Lage gewesen eine hohe Mauer um Deutschland zu bauen, um ihren lebensfernen Ideen abschließend zum Erfolg zu verhelfen …
Genug gefeiert.
Die neue Bundesregierung steht bei der Bewältigung der Herausforderungen im Gesundheitswesen auf jeden Fall vor einer Herkulesaufgabe. Wenn ich die Zeichen, welche der Koalitionsvertrag aussendet, richtig deute, so wird sie sich dieser Aufgabe mit einer für Frau Merkel typischen Entschlossenheit stellen und die Lösung des Problems mit einem entschiedenen Sowohl-als-auch in eine unbestimmte Zukunft verlagern. So ist Frau Merkel und dafür lieben sie die Deutschen.
Aus meiner Sicht ist das auch gar nicht so schlimm. Die wichtigsten Antworten auf die Frage, wie es mit dem Deutschen Gesundheitswesen weiter gehen soll, müssen aus der Bevölkerung kommen.
So ist zum Beispiel die Frage zu klären, wie viel Gesundheit wir zukünftig konsumieren wollen. Tatsache ist nämlich, dass ein großer Teil der Kostensteigerungen nicht auf teuerungsbedingte Mehrausgaben zurückgehen, sondern auf eine immer grenzwertigere Optimierung des individuellen Gesundheitszustandes.
Oder die Frage der Solidarität. Wer steht für wen, wann und in welcher Form ein. Zugegeben kein Thema, welches sich alleine auf den Gesundheitsbereich beschränkt ließe, wohl aber eines, das dringend ein gesamtgesellschaftliches Updates nötig hat.
Erst wenn diese Antworten vorliegen, sollte man sich mit organisatorischen Fragen beschäftigen. Dabei wäre es aus meiner Sicht schön, diese Diskussion nicht auf der Basis bestehender Strukturen zu führen, sondern fundamental zu überdenken. Daraus ergäbe sich am Ende vielleicht die Chance eine Lösung zu finden, welche ein jeder versteht und welche administrativ zu bewältigen ist. Keep it simple and stupid!
Gut Ding will Weile haben – es sollte ja auch für eine längere Zeit Bestand haben. Aus diesem Grunde könnte ich noch jahrelang mit diesem unsäglichen Gesundheitsfonds leben, wenn wir diese Zeit nutzen, würden das Gesamtkonzept des Gesundheitswesens einer echten, einer richtigen Reform zu unterziehen.
Wenn das Ganze jedoch wieder darin mündet, dass man hier und dort etwas ändert, um es im Jahr darauf dort und hier zu korrigieren, sehe ich für die Zukunft dieses Systems trotz des Wegfalls des Schmidt-Faktors schwarz.
Mein Optimismus, dass es dieses Mal besser laufen wird, ist aber ehrlich gesagt nur sehr eingeschränkt vorhanden.
In meiner nächsten Kolumne werde ich Ihnen zeigen, dass Deflation und Inflation sehr wohl nebeneinander auftreten können. Es bleibt also spannend!
Ihr
Sidney Batt
Finanzplaner mit eidg. FA (FH)
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