Seit dem Ausbruch der Finanzkrise sitzt die Mehrheit der Deutschen auf einem dicken Polster an Liquidität. Ängstlich wie eine Maus vor der Katze warten die Anleger auf das Ende der Finanzkrise und riskieren mit ihrem Ausharren genau das Gegenteil dessen zu erreichen, was in dieser Situation notwendig wäre.
Zugegeben, die Ausgangslage ist so verwirrend, dass sich selbst Experten nicht einig sind, aus welcher Richtung der Wind zur Zeit pfeift. Da gibt es die eine Gruppe, welche angesichts überbordender Staatsdefizite auf das zunehmende Inflationsrisiko hinweist und es gibt eine ebenso große und bedeutende Gruppe, welche genau das Gegenteil prognostiziert. Nämlich, dass der Staat nicht genug tut um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, das Vertrauen der Anleger zurück zu gewinnen und eine Abwärtsspirale von Preis- und Wirtschaftsentwicklung – kurz Deflation genannt – zu verhindern.
Argumente hier wie da
Die Deflationisten stützen Ihre These auf die aktuelle Marktlage, welche von sinkenden Preisen und einem sinkenden Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft geprägt ist. Unterstützung erhält diese Gruppe von zwei Seiten: zum einen von einer Art Basiseffekt, welcher durch den Rückgang der vor einem Jahr noch überhitzten Rohstoffpreise entstanden ist und zum andern von den Erfahrungen aus der Japan-Krise, bei welcher sich trotz Geldschwemme und tiefer Zinsen seit 20 Jahren keine Überhitzung der Wirtschaft einstellen will.
Die Inflationisten weisen darauf hin, dass Unmengen an Geld ausgegeben wird, welchem keine neuen Wert gegenüber stehen. Da Papiergeld per se keinen Wert hat, sondern nur eine Anteil am vorhandenen Volksvermögen symbolisiert, muss eine ungedeckte Ausweitung der Geldmenge früher oder später zu einer Entwertung des Geldes führen.
Die Deflationisten führen dagegen zu Felde, dass eine Inflation bei sinkender Wirtschaftsleistung nicht möglich ist, weil sich die steigenden Preise auf dem Markt nicht durchsetzen lassen. Recession kills Inflation, laut deren Credo.
Dass Rezession und Inflation sehr wohl zueinander passen können, beweist die ehemalige Kornkammer Afrikas: Simbabwe hat in diesen Tagen die eigene Währung abgeschafft, weil das Volk und die Wirtschaft jedes Vertrauen in das heimische Geld verloren haben und die Inflation in Folge dessen auf unglaubliche 230 Millionen Prozent gestiegen ist. Niemand wird allen Ernstes behaupten wollen, Simbabwe erlebe zur Zeit einen wirtschaftlichen Höhenflug…
Deflation – Inflation – völlig egal
Persönlich neige ich – regelmäßige Leser dieser Kolumne wissen das - eher dem Lager der Inflationisten zu. Mehr noch: ich bin mir sicher, dass sich dieser Staat unter der Führung der aktuellen Politikerklasse in eine Situation manövriert hat, welche ihr zunehmend die Bewegungsfreiheit raubt und zwar so lange, bis die Last der Schulden und der Zinszahlungen nur noch den Weg des geordneten Staatsbankrotts (Inflation) zulässt.
Oder glauben Sie dem ungehobelt lauten, aber in der Praxis ziemlich ineffektiv handelnden Finanzminister, dass die aktuell auflaufenden Schulden jemals zurück bezahlt werden können? Glauben Sie, dass die drückende Schuldenlast bei zurückgehenden Steuereinnahmen (Rezession, Verlust von Schlüsselindustrien, Abwanderung der geistigen Elite, Zuwanderung von wenig qualifizierten und bildungsresistenten Bevölkerungsgruppen, altersbedingter Schwund von Fachkräften, Bevölkerungsrückgang, etc.) und steigenden Kosten (Höhere Zinssätze auf Staatsanleihen, steigende Sozialkosten, steigende Infrastrukturkosten, etc.) größer oder kleiner wird…?
Aus meiner Sicht ist Inflation die einzige Möglichkeit diesen Kreislauf nach unten irgend wann in der Zukunft zu durchbrechen. Einzig und alleine der Zeitpunkt ist für mich offen. Und die Frage ob wir vorher eine Phase der Deflation – welche für mich kein Widerspruch darstellt, sondern im Gegenteil den Staatsbankrott nur noch wahrscheinlicher macht – durchlaufen oder nicht.
Doch egal ob ich mit meiner Befürchtung Recht habe oder nicht: es ist auf jeden Fall sinnvoll das eigenen Kapital wachsen zu lassen, um die anstehenden Investitionen und Ausgabenlasten der Zukunft finanzieren zu können. Tagesgeldkonten, bei welchen Banken sie auch immer geführt werden, sind für die Erreichung dieses Zieles wenig geeignet. Aber es gibt Alternativen, auch in diesen Zeiten. Und es gibt eine Reihe von Anlageklassen, bei denen man sich aktuell besser zurückhält. Der Finanztipp widmet sich deshalb in den nächsten Wochen ausschließlich diesem Thema, indem wir Anlageklasse für Anlageklasse durchgehen und so dem Privatanleger die Möglichkeit geben sich wieder aktiv auf dem Finanzmarkt zu engagieren.
Wir beginnen unsere Serie in den nächsten Tagen mit dem Kapitel „Cash Is King?“ – Tagesgeld die Anlageform der Stunde?
Sie sind anderer Meinung bezüglich dem Gang der Dinge? Dann schreiben Sie mir oder besuchen meine Seiten auf www.altersportal.de Ich freue mich auf Ihre Reaktion.
Ihr
Sidney Batt
1 Kommentar
April 16, 2009 um 1:34
Ich tendiere auch eher zum Szenario Inflation. Siehe: http://mediak3006.wordpress.com/2009/04/16/inflationsraten-bald-bei-10-prozent/